dj wash

DJ Wash ist ein waschechter Chinese, der angetreten ist, den wachsenden Hunger der weltgrößten Nation nach Drum’n’Bass und Dubstep zu stillen. Er ist Mitbegründer der Kongretebass Crew aus Hong Kong, die neben diversen Partys mit internationalen Gästen auch den größten Drum’n’Bass- und Dubstep-Podcast Asiens namens „Kongkast“ betreibt, der wöchentlich mehrere Zehntausend Zuhörer verbucht.

Wie bist du mit dem Drum’n’Bass-Virus infiziert worden?

Ich habe einen Großteil meiner Jugend nicht in Hong Kong sondern in Sydney verbracht, einer Stadt mit einem vielfältigen Dance Music Hintergrund. Im Laufe der Zeit gingen wir dort immer öfter zu Drum’n’Bass-Partys, trafen neue Leute und machten eine Menge wirklich heraus entstand dann Kongretebass und der Podcast Kongkast als Ausgangspunkt für unsere anfänglichen Ideen. guter Bekanntschaften. Von da an begann ich für eine lokale Crew namens „Airbourne“ aufzulegen, was einfach eine tolle Gelegenheit war, da sie damals eine der größten Promoter für Drum’n’Bass in Sydney waren und ich viel bei ihnen gelernt habe.

Nach deiner Rückkehr nach Hong Kong hast du Kongretebass gegründet. Wie kam es dazu?

Kongretebass wurde 2006 von Elemiz (Electronic Mistress) und mir gegründet. Das Projekt wurde ins Leben gerufen als wir bemerkten, dass wir einfach eine neue Plattform für die Musik und das Veranstalten von Partys brauchten. Damals betrieb ich bereits eine Internet-Radioshow bei PlanetDnB.com und wir entschieden uns, sie in etwas Frisches mit lokalem Bezug zu Hong Kong zu verwandeln. Aus diesem Ansatz¬†heraus entstand dann Kongretebass und der Podcast Kongkast als Ausgangspunkt für unsere anfänglichen Ideen.

Gibt es überhaupt Kollaborationen oder einen Austausch mit den Crews aus anderen großen chinesischen Städten?

Einige von uns wie Didjelirium, ChaCha, Blood Dunza und meine Wenigkeit produzieren auch gelegentlich zusammen mit Leuten aus Shanghai. Meist dreht es sich dabei um Dubstep oder duborientierte Tracks, da wir auch viel im 140BPM-Bereich machen. DJ Siesta von der Phreaktion Crew aus Shanghai ist noch sehr aktiv. Wir arbeiten zum Beispiel eng mit der „Sub Culture“-Crew aus Shanghai zusammen, die in einem Club namens „The Shelter“ beheimatet ist. Der Promoter dort versucht immer eine Menge großer Namen ins Haus¬†zu holen, deshalb versuchen wir regelmäßig zusammen kleine Touren für internationale Künstler durch Asien zusammenzustellen.

Kongkast ist der größte Drum’n’Bass- und Dubstep-Podcast in Asien. Warum habt ihr euch für dieses Format entschieden?

Wie bereits erwähnt, hatte ich vorher eine Internet-Radioshow die „KongreteXpress“ hieß und live ausgestrahlt wurde. Durch die Zeitverschiebung in Hong Kong musste ich die Sendung Nachts produzieren, was zeitlich nicht ganz einfach war. Das Podcast-Format gibt uns nicht nur zeitliche Flexibilität, sondern unseren Hörern die Möglichkeit, egal wo und wann die Show anzuhören. Die Akzeptanz bei den Hörern ist enorm. Unsere Top10-Podcasts haben zum Beispiel jeweils über 250.000 Hörer pro Jahr.

Drum’n’Bass ist eher unpolitisch. Hattest du trotzdem jemals Probleme mit der berüchtigten chinesischen Zensur?

Nein, bis jetzt nicht. In Hong Kong gibt es zum Glück nicht die gleichen Restriktionen wie im Rest Chinas. Das Einzige, mit dem wir uns manchmal konfrontiert sehen, sind Beschwerden wegen Lärmbelästigung. Das kommt aber relativ selten vor, da wir nur Clubs mieten, die wir gut kennen.

Gibt es große Unterschiede zwischen der Szene hier in Europa und in Südostasien?

Nicht wirklich große, aber in Europa steckt man mehr im Thema. In Hong Kong verhält es sich oft etwas anders. In letzter Zeit gehen bedeutend mehr Kids auf Partys, die extrem auf große und bekannte Dance-Tunes fixiert sind. Das ist okay, aber ich merke schon, dass ein bisschen Wissen über gute Tracks fehlt. Aber das ist letztendlich auch kein großes Problem, da wir noch auf vielen Ebenen im Bezug zu neuer elektronischer Musik wachsen und uns fortbilden.

Woher bekommst du denn deine neusten Tunes? Gibt es denn überhaupt Plattenläden in deiner Nähe?

Ich bin in den letzten paar Jahren verstärkt zum Digital-DJ geworden und durchstöbere die üblichen Online-Stores nach MP3s. Aber ich kaufe auch immer noch Platten, wenn ich das Gefühl habe, dass ich die unbedingt in meiner Sammlung brauche. HMV in Hong Kong hatte zwar immer mal ein paar Platten im Sortiment, aber mittlerweile haben sie die auch rausgenommen. Das ist wirklich eine Schande, aber so läuft das momentan im Musikgeschäft.

Was sind deine Pläne für 2011?

Wir werden uns weiter auf den Kongkast Podcast konzentrieren und ihr könnt euch auf viele frische Mixe aus China freuen. Außerdem werden wir weiterhin gute Partys organisieren und ausgewählte Künstler nach Hong Kong holen.

Kongkretebass: kongkretebass.com
Kongcast: kongkast.com

Interview: Thamash Kestawitz

Dieser Artikel wurde in der Ausgabe 14 (Mai 2011) des Headliner Magazins veröffentlicht und erscheint mit freundlicher Genehmigung.